Max Rehfeld †

Foto: Katharina Weber



  • Name: Max Rehfeld

  • Geburtstag: 17. Juni 1927

  • Todestag: 13. März 2018

  • Geburtsort: Masuren

  • Beruf: Bergmann

  • Wohnort: Dortmund


Knapp 30 Jahre unter Tage sind nicht spurlos an ihm vorbei gegangen. Seine Staublunge hat ihm lange zu schaffen gemacht. Am 13. März 2018 ist Max Rehfeld im Alter von 90 Jahren gestorben. Seinen 90. Geburtstag feierte er noch in großer Runde auf dem ehemaligen Zechengelände „Adolf von Hansemann“ in Dortmund. Max Rehfeld war Bergmann mit Leib und Seele – auf der Zeche Minister Stein in Dortmund.

Die Zeche Minister Stein in Dortmund. Links ist das Fördergerüst zu sehen. Dahinter stehen die Gasbehälter.  Mittig ist das Kesselhaus und der Kühlturm und rechts das Kraftwerk. Ganz hinten befindet sich der Kokskohlenbunker. Foto: Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum [024900749001]
„Zurückblickend auf die Bergbauzeit kann ich sagen, dass ich gerne Bergmann war und auch erfolgreich“, sagte Rehfeld. Aber nicht alles sei angenehm gewesen. Als er 1948 auf der Zeche angefangen hat, habe man nicht gewusst, ob man lebend wieder heraus komme. „Da hat es manches Mal schon Überwindung gekostet einzufahren“, so Rehfeld. Doch der Bergbau habe sich positiv entwickelt und er habe dazu beigetragen. „Da ist man schon mit einem gewissen Stolz behaftet.“ Aber: „Der Bergbau ist nicht eines Mannes Sach“, wie Rehfeld immer sagte. Man brauche den Zusammenhalt der Kumpel, um die Arbeit unter Tage leisten zu können.

2001 eröffnete Max Rehfeld auf dem ehemaligen Zechengelände „Adolf von Hansemann“ in Dortmund ein eigenes kleines Bergbaumuseum. Zu diesem Zeitpunkt war von der Schließung der letzten deutschen Steinkohlenzeche noch keine Rede. „Wir haben fünf, sechs  ehrenamtliche Bärenführer, also Fremdenführer, die das Museum in Max‘ Sinne weiterführen“, sagt Dr. Martin Kaufmann, Vorsitzender des Bergmannsvereins „Kleinzeche Max Rehfeld“.

 

Jeden dritten Samstag im Monat und nach Absprache öffnet das Museum weiterhin seine Türen. Eintritt muss nicht gezahlt werden, aber Spenden sind willkommen. In vier Räumen werden mehr als 2000 Exemplare rund um den Bergbau ausgestellt: Querschnitte von Flözen, Miniaturen, Bücher, Bilder, Urkunden und echte Kohle. Jedes der rund 2000 Ausstellungsstücke ist handgeschrieben in einem Buch aufgeführt und archiviert. 

In einem der Räume des Bergbaumuseums hat Max Rehfeld eine Flözstrecke nachgebaut. Besucher können auch selbst einen Abbauhammer in die Hand nehmen, sich verschiedene Kohlensorten erklären lassen, alte Grubenlampen anzünden oder eine Stempelkarte bei der Stechuhr abstempeln – so wie sich die Bergleute früher zur Arbeit an- und abgemeldet haben.

Ein Raum des Bergbaumuseums als 360-Grad-Foto:

In einem Interview im Dezember 2017 schilderte Max Rehfeld seine Eindrücke, Erlebnisse und Erinnerungen an seine Zeit als Bergmann. Direkt bei der Begrüßung besteht er auf die Anrede „du“. „Das macht man mit seinen Kumpels unter Tage auch so“, erklärt Rehfeld.

Der Weg zum Bergbau

Max, wie bist du zum Bergbau gekommen?

Max: Ich wurde 1927 in den Masuren –  im ehemaligen Ostpreußen – geboren. Als ich 17 Jahre alt war, musste ich mit meiner Familie flüchten. Man hat meinen Bruder und mich in Wehrmachtskleidung gesteckt und uns an die Front geschickt. Ich war also noch beim Adolf Hitler Soldat. Nachdem ich verwundet wurde, kam ich zunächst in ein Lazarett in Dänemark und später in Gefangenschaft. Als ich dann 1948 entlassen wurde, konnte ich nicht mehr nach Masuren zurück, weil uns Masuren im Krieg genommen wurden. Wo sollte ich also hin?

Mein Onkel hat zu der Zeit in Dortmund auf der Zeche Minister Stein als Elektriker und Lokführer gearbeitet und mich zum Bergbau gebracht. Übergangsweise habe ich in einem so genannten Bullenkloster gewohnt –  einer sehr einfachen Unterkunft in der Nähe der Zeche. Das war auf der Zeche Minister Stein eine Baracke, wo die Kriegsgefangenen gewohnt haben, die auf der Zeche gearbeitet haben.

 

Bevor ich unter Tage anfangen durfte, musste ich zum Arzt und mir bescheinigen lassen, dass ich grubentauglich bin. Anschließend habe ich mit 21 Jahren angefangen, unter Tage zu arbeiten: erst als Schlepper und Gedingeschlepper (Akkordarbeiter), wo ich für den Transport und die Förderung unter Tage zuständig war, und anschließend als Lehrhauer, wo ich Kohle abgebaut habe.

1951 habe ich meine Hauerprüfung absolviert. Zu dem Zeitpunkt haben wir alles noch mit dem Abbauhammer gemacht. Ich war Kohlenhauer mit dem Abbauhammer. Das war eine sehr schwere Arbeit. 1958 habe ich die Steigerschule beendet und war dann Gruben- und Tagessteiger. Zum Ende meiner Karriere war ich dann Diplom-Ingenieur.

Ein Bohrhammer mit zwei abgefederten Spannschrauben auf Höhe des Handgriffs (1954). Ein solcher Abbauhammer wiegt zwischen 15 und 20 Kilogramm. Foto: Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum [030100778001]
Wie war für dich die Arbeit unter Tage?

Max: Ich bin nach der Gefangenschaft im Krieg auf der Zeche angefangen. Das war natürlich eine große Umstellung. Aber ich habe schon als kleiner Junge auf dem Bauernhof gearbeitet und Arbeit war mir nie fremd. Und damals wurde man so erzogen, dass man zu arbeiten hatte, um seinen Lebensbedarf zu decken. Das war eine Selbstverständlichkeit.

Heute bekommt man Hartz IV und an Arbeit wird gar nicht gedacht. Ich habe gerne gearbeitet. Das war eine Voraussetzung und gab Selbstwertgefühl. Wenn du etwas geschafft hast, freust du dich. Da spielt es keine Rolle, wie hochwertig das ist, was man erreicht hat. Wenn man nur eine simple Arbeit hat, mit dem Abbauhammer gearbeitet hat, war man zufrieden. Das Selbstwertgefühl war immer da. Ich habe viele schlimme Dinge erlebt. Ich war sehr traumatisiert vom Krieg. Ich bin durch die Kriegsgefangenschaft verwundet worden und dann nach Dortmund zur Zeche gekommen. Die schlimmen Ereignisse haben die Situation dann unter Tage beispielsweise etwas gemindert. Es war ja nun sehr viel weniger schlimm, als das, was ich vorher erlebt habe.

Wie war die Anfangszeit für dich als Bergmann? Hast du dich schnell eingefunden?

Max: Wir jungen Leute waren so erzogen, ältere Menschen mit „Sie“ anzusprechen. Deshalb ist es mir anfangs schwer gefallen, einen älteren Bergmann zu duzen. Das sind alles Lernprozesse gewesen, aber ich bin hier wirklich gut aufgenommen worden. Das war schon okay.

Man sagt den Bergleuten nach, dass sie einen besonders guten Zusammenhalt haben. Stimmt das?

Max: Es ist ein großer Irrtum, dass der Bergmann ein anderer Mensch ist als ein „Nicht-Bergmann“. Auch bei Bergleuten gibt es Eifersüchteleien, Niederträchtigkeiten. Dass der eine dem anderen was wegnimmt oder so etwas. Was hier gemeint ist mit dem Zusammenhalt: Wenn irgendwo eine Gefahr war, dann war der Zusammenhalt groß.

Ich konstruiere jetzt mal etwas: Ich arbeite zusammen mit jemandem in der Kolonne, mit dem ich mich nicht gut verstehe. Er hat mir schon geschadet, wir haben uns beschimpft. Aber wenn dieser verunglückt wäre, hätte ich nicht gesagt: ‚Du hast mich heute beleidigt, heute helfe ich dir nicht.‘ In der Not, in der Gefahr, war der Zusammenhalt groß.

 

Grubenunglücke unter Tage

Hast du selbst ein Grubenunglück miterlebt oder dich verletzt?

Max: Ein Grubenunglück habe ich zum Glück nicht miterlebt, aber als ich 1948 auf der Zeche angefangen habe, waren Unfälle an der Tagesordnung. Ich hatte auch selbst einen Unfall, der lebensbedrohlich war.

Was ist da passiert?

Max: Ich habe unter Tage Strebe – also neue Abbauräume – eingerichtet. In einem Transportwaggon wurde neues Material angeliefert. Als ich den Samstag mit meiner Mannschaft raus gefahren bin, habe ich im Förderwagen gestanden und wollte gucken, ob genug Material da ist. Plötzlich fuhr der Zug los und ein Seil peitschte mir ins Gesicht. Ich hab mir den ganzen Mund aufgerissen. Das war schon eine sehr, sehr schlimme Verletzung.

Jeder Bergmann hatte früher immer ein kleines Verbandszeug dabei und die Kumpels haben mir dann direkt den Mund damit vollgestopft, um die Blutung zu stillen. Wenn jemand verletzt war, war die Fürsorge beispielhaft.

 

Ich bin dann damals ins Krankenhaus – in eine Unfallklinik – gekommen. Die hatten da so ihre Routine und dachten „Ach, der stirbt eh“, auch wenn das keiner so gesagt hat. Normalerweise hätte ich eine Erstversorgung in einem Krankenzimmer bekommen müssen, aber mich haben sie auf den Flur gestellt und mich dort stehen lassen. Die hatten ja Erfahrung darin. Das war am Vormittag. Am Nachmittag sind viele Bergleute gekommen und haben Blumen gebracht. Die haben die dann auf ein Fensterbrett gestellt. Ich hatte keine Klingel und ich konnte auch nicht sprechen.

Am nächsten Morgen haben die Krankenschwestern dann nach mir geguckt und gesagt „Oh, der lebt ja noch“. Dann ist eine Windböe gekommen und hat das Fenster aufgeschlagen und das Blumenwasser aus der Vase ist auf mich drauf gefallen. Dann habe ich in einem erbärmlichen Zustand da gelegen.

Das sind solche Dinge, die waren normal. Das passierte überall. Ich habe dann die Zähne raus bekommen und die haben mir den Kiefer zugenäht. Die Wunde musste dann verheilen. Ich hatte überall Zahnlücken. Meine Frau hat mich dann mit einer Schnabeltasse gefüttert. Aber erst habe ich ein paar Wochen im Krankenhaus gelegen. Das war eine Zeit, die war einfach so. Wenn man so will, ein ganz normaler Unfall.

Hast du in der Zeit, wo du nicht arbeiten konntest, Krankengeld bekommen?

Max: Damals konnte man sich nicht vorstellen, nicht arbeiten zu müssen und trotzdem Geld zu bekommen. Dafür gab es dann die Knappschaften und Knappenvereine. Die Knappschaft ist die bergmännische Absicherung beziehungsweise Krankenversicherung und der Knappenverein ist ein privater Traditionsverein. Man hat die ersten drei Tage, in denen man krank war, Geld bekommen. Heute hat man die Lohnfortzahlung bis zu sechs Wochen. Da braucht man nicht zur Arbeit gehen und bekommt trotzdem sein Geld weiter. Und wenn die Zeit um ist, bekommt man nicht mehr das volle Gehalt, sondern nur anteilmäßig ein Krankengeld. Das ist heute so geregelt, aber das war eine längere Entwicklung, bis es dazu kam.

Mein Knappenverein ist 1884 gegründet worden. Damals war die Versicherung noch nicht so eine Hängematte wie heute. Wenn da jemand krank oder verletzt wurde, hatte die Familie Not und Elend. Deshalb hat man diese Bergmann-Unterstützungsvereine gegründet, wo man regelmäßig einen Obolus eingezahlt hat und im Krankheitsfall dann etwas Geld ausbezahlt bekommen hat. Das war auch nicht so ganz viel, aber das hat beim Überleben geholfen.

Hast du einmal überlegt, den Beruf an den Nagel zu hängen?

Max: Es gab viele Bergleute, die unter Tage angefangen haben, die dann aber auch recht schnell wieder aufgehört haben. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, aufzuhören – keine Frage – aber ich habe nicht das Bedürfnis dazu gehabt. Wir haben gut verdient. Wir Bergleute haben immer etwas mehr Geld verdient als andere Berufe. Dann war es ja auch so, dass Wohnungen zerstört waren und ich wohnte in einem Barackenlager – dem so genannten Bullenkloster. Das war eine Unterkunft für Bergleute, die von außerhalb kamen und hier keine Familie hatten.

Der Bergmann hat immer eine gute und bessere Versorgung gehabt als andere. Auch in den schlechten Zeiten. Mehr als üblich. Ich war ein junger Mann. Ich habe auch gut essen können und ich bin immer satt geworden. Man war froh, dass man zu essen und ein Dach über dem Kopf hatte. Der Überfluss und einfach in den Supermarkt zu gehen, war damals nicht möglich. Die „Nicht-Bergleute“ bekamen Bezugsscheine. Wir bekamen keine Bezugsscheine, sondern das fertige Essen. Außerdem bekamen wir von den Amerikanern Pakete und extra Fleischzuteilungen.

Max Rehfeld in einem Raum seines kleinen Bergbau-Museums im Torhaus der ehemaligen Zeche Hansemann in Dortmund-Mengede. Foto: Matthias Graben / Funke Foto Services

Um satt zu werden, haben einige Menschen, die in Bergbausiedlungen wohnten, im Garten Obst und Gemüse angebaut und auch Tiere gehalten, oder?

Max: Ja, diese Bergmannskolonien gab es überall im Ruhrgebiet. Die Familien waren früher groß. Zehn Kinder zu haben, war normal. Die Pille gab es früher nicht. Damit hatte es wahrscheinlich auch zu tun. Und der Mann war Alleinverdiener. Der Bergmann hat zwar gut verdient, aber die Kinder wollten alle versorgt werden. Zu jedem Haus gehörte ein Garten. In dem großen Garten wurde Gemüse angebaut. Der Garten war für Mensch und Tier. Im Stall waren meistens zwei Schweine.

Viele Bergleute haben Tauben gezüchtet, oder?

Max: Richtig. Tauben waren früher das Rennpferd des kleinen Mannes. Fast jeder Bergmann hat früher Tauben gehalten. Als ich eine Familie und eine Wohnung mit Garten hatte, habe ich Kaninchen, Hühner und Gänse gehalten. Gemüse haben wir auch angebaut.

Die Tierzuchtvereine waren ja sozusagen ein Hobby des Bergmanns. Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Max: Erst einmal war ich ziemlich müde und geschlaucht, wenn ich nach einer Schicht nach Hause kam. Dann hat man auch mal ein Glas Bier getrunken oder Skat gespielt. Und ich habe gerne Schach gespielt.

Man sagt und hört immer wieder, dass Bergleute gerne in der Kneipe waren, wo sie ihr Geld für Schnaps und Bier ausgegeben haben. Ist das richtig?

Max: Ich wehre mich dagegen, dass nur der Bergmann damit so negativ behaftet ist. Ich habe mein Geld nicht in Schnaps umgesetzt. Aber es gab welche, das kann man nicht leugnen. Alkohol wurde damals recht viel getrunken. Aber längst nicht nur von Bergmännern.

Im Dorf gibt es schon hunderte Jahre lang ein bis zwei Kirchen – eine katholische und eine evangelische. Drum herum sind immer drei, vier Wirtschaften. Wenn die Menschen dann aus der Kirche kamen, sind sie in die Wirtschaften verschwunden. Das war aber allgemein üblich und es waren nicht nur die Bergmänner. Ich empfinde es als schlimm, dass es mit dem Saufen so den Bergleuten zugeordnet wird. Aber ganz leugnen kann man es nicht. Es ist ja sogar in dem Steigerlied wiederzufinden.

Ein Auszug aus dem Steigerlied. Foto: Birgit Schweizer/ Funke Foto Services

Wie oft habt ihr euren Lohn ausgezahlt bekommen?

Max: Es gab drei Mal im Monat Geld. Heute sagt man „cash auf die Hand“. Das heißt: Der Kumpel ist am Lohntag zum Steiger gegangen, der hat ihm eingetragen, was er bekommt. Damit ist er dann zum Lohnbüro gegangen. Da saß der Lohnbeamte, der hatte eine Liste. Man hatte eine Karte mit einer eigenen Geheimzahl, die man einstellen musste. Und dann bekam man sein Geld.

Was hast du mit dem Geld dann gemacht?

Max: Das Geld hat man entweder zur Kasse gebracht und gespart, oder etwas angezahlt und monatlich abbezahlt, wie beispielsweise ein Bett oder einen Schrank. Am Anfang, als ich angefangen habe, musste ich für meine Arbeitskleidung selbst sorgen. Wenn ich alte Kleidung hatte, durfte ich sie mit unter Tage nehmen. Oder wenn man einen Anzug brauchte, konnte man zum Steiger gehen und sich einen so genannten Magazinschein holen. Dann konnte man sich Kleidung, Schuhe usw. holen. Und die Kleidung konnte man dann monatlich abbezahlen. Waschen musste man die Kleidung aber immer selbst.

Der Beginn des Zechensterbens

Hattest du Angst vor der Zechenschließung?

Max: Die Angst hielt sich in Grenzen. Das war nur am Anfang. Aber es gab die Absprache mit der Gewerkschaft, dass kein Bergmann arbeitslos werden würde. Wenn eine Zeche geschlossen wurde, gab es die Möglichkeit, die Bergleute auf andere Schachtanlagen zu verteilen. Einige, die schon ein bestimmtes Alter hatten, konnten in die so genannte Anpassung – in Frührente – gehen. Der Bergmann wurde mit spätestens 50 Jahren in die Anpassung geschickt. Bis zu seinem 60. Lebensjahr bekam er das Geld von der Anpassung und danach bekam er Rente. Ich war auf einer der größten und erfolgreichsten Zechen in Deutschland. Wir mussten keine Angst um unseren Arbeitsplatz haben. Im Gegenteil. Wir waren die Zeche, die Menschen von geschlossenen Bergwerken aufgenommen hat.

Was bedeutet das Ende des Steinkohlenbergbaus für Deutschland?

Max: Ich finde das Ende des Bergbaus sehr schade. Und es ist nicht so, dass keine Kohle mehr gebraucht wird und deshalb machen wir die Zechen jetzt zu. Wir holen die Kohlen aus anderen Ländern, weil das günstiger ist. In Australien wird die Kohle beispielsweise ganz einfach über Tage abgebaut. Das ist natürlich deutlich weniger Aufwand als bei uns in Deutschland in mehr als 1000 Metern Tiefe. Und in China sind die Sicherheitsstandards nicht so hoch. Es gibt deutlich mehr Unfälle und Tote. Ich sehe das Ende des Steinkohlenbergbaus sehr problematisch. Ich kann das so nicht nachvollziehen.

 

Kohle wurde hoch subventioniert, also gefördert. Wenn ich nicht mehr subventioniere, vernichte ich Arbeitsplätze. Früher war es so, wenn die Jungs aus der Schule kamen, hat die Zeche jeden eingestellt. Und heute sind sie alle arbeitslos. Ich glaube diese Arbeitslosenzahlungen sind nicht teurer als die Subventionen, die gezahlt wurden. Das ist nicht zu verstehen. Man musste nur bereit sein zu arbeiten, dann hat die Zeche jeden genommen.

Heute haben wir noch eine andere Geschichte, die ich sehr beklage: Zeitarbeitsverträge. Wo ist die Perspektive von jungen Leuten, die einen Zeitarbeitsvertrag haben? Wer auf der Zeche angefangen hat, bekam einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Mit der Einschränkung, dass das erste Jahr Probezeit war. Heute müssen sich die jungen Menschen mit Zeitarbeitsverträgen herumschlagen.

Bergmannsverein „Kleinzeche Max Rehfeld“

Lange nach deiner Zeit als Bergmann hast du dein eigenes kleines Bergbaumuseum gegründet. In welchem Jahr war das und warum hast du dich dazu entschlossenen?

Max: Seit 2001 gibt es das Bergbaumuseum auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Adolf von Hansemann in Dortmund-Mengede. Ich war zu der Zeit Ehrenvorsitzender im Knappenverein und habe das Museum eingerichtet für den Knappenverein. Ohne mich gäbe es das Museum nicht.

Als ich mit dem Bergbaumuseum angefangen habe, war vom Schließen der letzten Zeche noch gar nicht die Rede. Deshalb war das nicht das Motiv. Sondern einfach das Thema Bergbau publik zu machen und Dinge aus dem Bergbau mit Originalausstellungsstücken für die Nachwelt zu erhalten.

Bergbaumuseum Dortmund

Bild 2 von 44

Foto: Katharina Weber